REPORTAGES

«Surmonter des problèmes structurels demande du temps»

D’ici à 2025, la plate-forme cacaoyère veut atteindre l’objectif qu’une proportion de 80 % du cacao importé en Suisse provienne de sources durables.
D’ici à 2025, la plate-forme cacaoyère veut atteindre l’objectif qu’une proportion de 80 % du cacao importé en Suisse provienne de sources durables.
Flavio Reinarz
Auteur espritchocolat.ch

Die Schweizer Kakaoplattform kämpft für einen nachhaltigen, wirtschaftlich attraktiven Kakaosektor. Im Interview erklärt Geschäftsführerin Christine Müller, wie der Verein arbeitet und was im Bereich Nachhaltigkeit die Herausforderungen sind. 

Frau Müller, Sie sind Geschäftsführerin der Schweizer Plattform für Nachhaltigen Kakao. Warum haben Sie die Kakaoplattform Anfang dieses Jahres gegründet?

Die Probleme und Herausforderungen, die im Kakaosektor zu bewältigen sind, gelten branchenweit. Deshalb macht es Sinn, die Kräfte zu bündeln und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Die Kakaoplattform setzt sich denn auch aus ganz unterschiedlichen Mitgliedern aus der ganzen Branche zusammen: Schokoladenhersteller, Importeure und Händler, aber auch Bund, NGOs und Forschungsinstitutionen. 

Die Nachhaltigkeit ist das zentrale Thema der Kakaoplattform. Was verstehen Sie unter Nachhaltigkeit? 

Wir verstehen den Begriff aktiv, also im Sinne eines nachhaltigen Handelns. Wichtig ist, dass es beim nachhaltigen Handeln nicht nur um die Umwelt, sondern auch um soziale und wirtschaftliche Aspekte geht. Soziales nachhaltiges Handeln heisst, die Lebensbedingungen der Kakaoproduzentinnen und -produzenten zu verbessern. Beim ökologischen nachhaltigen Handeln geht es darum, die natürlichen Ressourcen zu erhalten und die Artenvielfalt zu fördern. Wirtschaftliches nachhaltiges Handeln bedeutet, über einen attraktiven, wettbewerbsfähigen Kakaosektor den Lebensunterhalt der Kakaobauern heute und morgen zu sichern.  

Was sind Ihre Ziele?

Unser oberstes Ziel ist die Schaffung eines nachhaltigen und attraktiven Kakaosektors für die heutigen und zukünftigen Generationen. Damit wollen wir auch einen Beitrag zu den Sustainable Development Goals, den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, leisten. Daneben haben wir uns aber auch ein ganz konkretes und messbares Ziel gesetzt: Bis zum Jahr 2025 wollen wir erreichen, dass 80 Prozent des in die Schweiz importierten Kakaos aus nachhaltigen Quellen stammt. 

Die Schweizer Kakaoplattform setzt sich für einen nachhaltigen und attraktiven Kakaosektor ein.
Die Schweizer Kakaoplattform setzt sich für einen nachhaltigen und attraktiven Kakaosektor ein. ©kommunikationsplan

Wieso streben Sie nicht gleich ein 100 Prozent nachhaltig Ziel an? 

Dieses Ziel wollen wir längerfristig sicherlich erreichen. Gleichzeitig sind wir aber auch erfahren und realistisch genug zu wissen, dass dies ein Prozess ist, der Zeit braucht. Man muss wissen, dass soziale und ökologische Probleme oft struktureller Natur sind, also tief in den Systemen der jeweiligen Länder verankert. Viele kakaoanbauende Lände sind durch kleinbäuerliche Strukturen und eine grosse Armut geprägt, was wiederum Probleme, wie die Kinderarbeit oder die Entwaldung, begünstigt. Strukturelle Probleme lassen sich leider nicht von heute auf bewältigen. 

Neben der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit haben Sie die wirtschaftliche Nachhaltigkeit angesprochen. Sind ökologische und ökonomische Ziele überhaupt miteinander vereinbar?

Auf jeden Fall. Man muss verstehen, dass die sozioökonomische Entwicklung stark vom Vorhandensein natürlicher Ressourcen und intakter Ökosysteme abhängig ist. Mit anderen Worten: Wenn die Ressourcen schwinden und die Ökosysteme kaputtgehen, ist auch Wirtschaftswachstum nicht möglich. 

Was tun Sie konkret, um Ihre Ziele zu erreichen?

Wir sind auf mehreren Ebenen aktiv. Zum einen haben wir verschiedene, themenspezifische Arbeitsgruppen gegründet, die unseren Mitgliedern als Plattform für den Austausch und zur Entwicklung von Lösungsansätzen dienen. Daneben fördern wir gezielt Nachhaltigkeitsprojekte unserer Mitgliedsunternehmen. Wie bereits gesagt setzt sich unser Verein neben den institutionellen Mitgliedern nicht nur aus Schokoladenhersteller, sondern auch aus Importeuren und Händlern zusammen. Mit unseren Aktivitäten können wir also die Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Kakaos fördern. Zu diesem Zweck vernetzen wir uns auch mit Regierungen und Organisationen in den Ursprungsländern sowie mit anderen internationalen Initiativen. 

Viele kakaoanbauende Länder sind durch kleinbäuerliche Strukturen geprägt.
Viele kakaoanbauende Länder sind durch kleinbäuerliche Strukturen geprägt.

Wo müssen in den kommenden Jahren die Prioritäten gesetzt werden, um im Bereich Nachhaltigkeit vorwärts zu kommen?

Ein aus meiner Sicht sehr wichtiges Thema ist die Transparenz. Wenn man Probleme wie die Kinderarbeit oder die Entwaldung vermeiden will, braucht es transparente Wertschöpfungsketten, welche die Rückverfolgbarkeit gewährleisten. Daneben muss natürlich investiert werden, etwa in die kontinuierliche Ausbildung der Bauern, so dass diese ihre Abhängigkeit senken können. Wichtig sind auch Investitionen in die Infrastruktur und das Pflanzenmaterial.

Wie wichtig ist das Thema Nachhaltigkeit den Schokoladekonsumenten in der Schweiz?

Die Sensibilität der Konsumenten gegenüber dem Thema Nachhaltigkeit hat in den letzten Jahren sicherlich zugenommen. Insgesamt besteht aber noch ein grosses Aufklärungspotenzial. Für die Schokoladenkonsumenten ist es schwierig, die Probleme die im Zusammenhang mit dem Kakao auftreten, zu sehen, da dieses meistens in den Ursprungsländern auftreten. Sobald die Konsumenten erkennen, was in einer Tafel Schokolade alles steckt, werden Sie auch bereit sein, mehr zu bezahlen. 

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Was treibt Sie an, sich in der Kakaoplattform zu engagieren?

Das Thema Nachhaltigkeit treibt mich schon lange an. In Basel habe ich Nachhaltige Entwicklung studiert. Als ausgebildete Lebensmittelingenieurin und Schoggiliebhaberin habe ich zudem einen starken Bezug zu Lebensmitteln. Diese Kombination kommt mir bei meiner heutigen Tätigkeit sehr entgegen. 

Die Schweizer Kakaoplattform bei der Gründung im Januar 2018. Zu den Mitgliedern zählen Chocosuisse, Hersteller, Importeure und Händler, Detailhändler, das Seco, NGOs sowie Forschungseinrichtungen.
Die Schweizer Kakaoplattform bei der Gründung im Januar 2018. Zu den Mitgliedern zählen Chocosuisse, Hersteller, Importeure und Händler, Detailhändler, das Seco, NGOs sowie Forschungseinrichtungen.
Christine Müller ist Geschäftsführerin der Schweizer Plattform für nachhaltigen Kakao.
Christine Müller ist Geschäftsführerin der Schweizer Plattform für nachhaltigen Kakao.