HINTERGRUND

Diese Folie könnte ein bisschen die Welt retten

Jetzt gibt es eine Alufolie für Schokolade, die vollständig biologisch abbaubar ist.
Bild: Chocolat Bernrain
Sabina Sturzenegger
Autorin ESPRITCHOCOLAT.CH

Eine Alufolie für Schokolade, die vollständig biologisch abbaubar ist? Gibt es schon. Chocolat Bernrain verwendet sie und zeigt, wie damit eine kleine, aber wichtige Revolution eingeläutet werden könnte.

Schoggi, die nicht in der Alufolie verpackt ist? Geht irgendwie nicht. Das typische, leise Rascheln beim Auspacken gehört irgendwie dazu. Das wissen alle, die bei einer Bergtour auf dem Gipfel mit leicht zittrigen Fingern die Schoggi auspacken.

Neu kann man dabei aber auf eine abbaubare Variante zurückgreifen. Findige Lebensmittel-Verpackungstechniker aus England haben nämlich in den letzten Jahren an der Entwicklung einer Folie gearbeitet, die vollständig biologisch abbaubar ist – und trotzdem aussieht und raschelt wie Aluminium.

Nicht Maisstärke sondern Holz

Die neuartige Folie ist zudem aus nachwachsenden Rohstoffen wie zertifiziertem Holz und nicht aus Maisstärke hergestellt. Sie wird mit einer hauchdünnen Aluminiumschicht bedampft, damit die Schokolade genügend vor Licht und Sauerstoff geschützt ist. Dadurch behalten die Lebensmittel ihre Frische bis zu 24 Monate. Die Aluminiumschicht ist 17-mal dünner als die einer normalen Aluminiumfolie für Schokolade.

Dass die Folie vollständig biologisch abbaubar ist, wurde in der Schweiz getestet, genauer auf dem Heimkompost eines Mitarbeiters von Chocolat Bernrain im Thurgau. Sein Fazit: 

«Nach 60 Tagen waren nur noch minimale Spuren sichtbar. [...]. Die Heimkompostierbarkeit konnte unter einfachsten Bedingungen nachgewiesen werden.»*

Bewusstsein der Konsumenten wächst

Chocolat Bernrain ist die erste und einzige industrielle Schokolade-Produzentin in der Schweiz, die diese Folie bis anhin verwendet, wie Marcel Leemann erklärt: «Etwa 4 Prozent der Schokolade, die wir herstellen, werden mit der abbaubaren Bio-Folie verpackt.» Das Bewusstsein für abbaubare und nachwachsende Rohstoffe in der Verpackung sei zwar erst bei einem kleinen Teil der Schokolade-Konsumenten vorhanden, aber die Zahl dieser Konsumenten sei zunehmend.

Ursprünglich kam die Idee aus Holland, wo ein Bean-to-Bar-Hersteller 2010 eine spezielle Biofolie entwickeln liess. Heute – nach einigen Umstellungen und Verbesserungen – stellt Chocolat Bernrain für verschiedene Bio- und Fairtrade-Labels in der Schweiz sowie für einen grossen Händler in Kanada Schokolade her, die in der neuen Folie daherkommt.

Die Tests hätten gezeigt, dass die Biofolie sogar den besseren Schutz vor Licht und Sauerstoff bietet als die Plastik-Folie aus Polypropylen, die für viele Schokoladen verwendet wird. Dass für die grosse Mehrheit der Kunden eine Umstellung auf die Biofolie dennoch noch kein Thema ist, dürfte auch am Preis liegen: Die Biofolie kostet noch bis zu 4 Rappen mehr pro Tafel Schokolade. «Mit den Handelsmargen führt dies dazu, dass der Endpreis bis zu 10 Rappen höher liegt wegen dieser Folie», ergänzt Leemann.

Der Trend ist gerade am Entstehen

Doch der Zeitgeist und der Druck der Konsumenten könnten die Wende durchaus mit sich bringen: Auch in der Schweiz ist der Trend zu weniger Verpackungsmüll angekommen. Detailhändler suchen Wege, ihren Plastik-Verpackungen generell zu reduzieren. Die «Plastic Attack»-Bewegung setzt auf öffentliche Aktionen, bei denen die Kunden ihre Waren nach dem Bezahlen im Laden auspacken und den Plastik zurücklassen.

Immer noch besser, als die Schoggi «blutt» mit nach Hause zu nehmen, wäre die kompostierbare Verpackung. Funktioniert garantiert!

 

*Quelle: swisschocolates.ch