HINTERGRUND

Nachhaltige Schweizer Schoggi

Das Interesse an nachhaltigem Kakao steigt und die Schweizer Schoggi-Hersteller reagieren auf dieses Bedürfnis.
Das Interesse an nachhaltigem Kakao steigt und die Schweizer Schoggi-Hersteller reagieren auf dieses Bedürfnis.
Debora Amacker
Autorin ESPRITCHOCOLAT.CH

Schweizer lieben Schokolade. Bei einem Konsum von rund 88'600 Tonnen Schokolade und einer mittleren Wohnbevölkerung von 8,4 Mio. ergibt dies einen durchschnittlichen Pro-Kopf-Konsum von 10,5 Kilo. Damit steht die Schweiz an erster Stelle der Konsumländer. Konsumenten und Konsumentinnen legen dabei immer mehr Wert auf einen bewussten Genuss der leckeren Nascherei. Das Interesse an nachhaltigem Kakao steigt und die Schweizer Schoggi-Hersteller reagieren auf dieses Bedürfnis.

Die Rückverfolgbarkeit wird für die Hersteller immer wichtiger. Der Trend geht klar Richtung Nachhaltigkeit. Doch was bedeutet eine nachhaltige Kakaoproduktion? Diese Frage wurde auch am Innovationsanlass von espritchocolat.ch im November in Bern gestellt. Beantwortet wurde sie von drei Schweizer Schokoladeherstellern mit beispielhaften Nachhaltigkeitsprojekten.

Das Projekt FINCA von Chocolats Halba

Unterstützt durch den Coop Fonds für Nachhaltigkeit lancierte Chocolats Halba 2015 das Projekt FINCA für nachhaltige Schokolade aus Ecuador. Projektpartnerin in Ecuador ist Swisscontact. FINCA fördert die Kultivierung von CNA-Bohnen mit der Anbaumethode dynamischer Agroforstwirtschaft. Bei diesem ganzheitlichen Ansatz wird die ursprüngliche Heimat des Kakaos nachgebildet. Zunächst werden geeignete Kakaobauern der Kooperative UNOCACE in den Methoden der dynamischen Agroforstwirtschaft ausgebildet. Sie geben ihr Wissen danach als sogenannte Facilitadores (dt.: Vermittler) an andere Kakaoproduzenten weiter. Bei der Auswahl der Facilitadores werden Frauen und junge Leute speziell gefördert.

Das Projekt NATIVO von Choba Choba

Im Jahr 2015 gründeten 36 Kakaobauern aus dem peruanischen Alto Huayabamba zusammenmit zwei europäischen Experten ihre eigene Schweizer Schokoladenmarke, Choba Choba. Aus Sorge um die Vielfalt ihrer einheimischen Natur wurde es den Kakaobauern von Choba Choba ein grosses Anliegen, die ursprünglichen Kakaosorten ihres Tals zu schützen und zu bewahren. Choba Choba hat den Schutz und die Erforschung des ursprünglichen Kakaos des Alto Huayabamba Tals für sich zu einer Priorität gemacht und das NATIVO Projekt als Teil seines Naturschutz- und Biodiversitätprogramms lanciert.

Das Projekt Kooperative NECAAYO von Chocolat Frey

Seit 2012 bezieht Chocolat Frey Kakaobohnen aus der Elfenbeinküste direkt von der Kooperative Necaayo. In der im Südwesten des Landes beheimateten Bauerngemeinschaft produzieren momentan 500 Bauern Kakao für Chocolat Frey. Als exklusiver Partner der Kooperative hat Chocolat Frey den Bau einer Krankenstation mit Geburtenabteilung finanziert. Dadurch haben rund 2'500 Menschen in der Region Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung erhalten. Zusätzlich wurden zwei Wohnhäuser für den Krankenpfleger und die Hebamme mit Familie errichtet. In verschiedenen Dörfern konnten Wasserpumpen gebaut und im Rahmen eines weiteren Projekts eine Schule erweitert und die Schulkantine renoviert werden.

Schweizer Kakaoplattform

Alle drei vorgestellten Schokoladehersteller sind Mitglied der Schweizer Plattform für nachhaltigen Kakao. Der Verein wurde Anfang 2018 gegründet. Die heute 47 Mitglieder engagieren sich gemeinsam und aktiv dafür, die Nachhaltigkeit der Produktions- und Wertschöpfungskette von Kakao zu stärken. Oberstes Ziel ist die Schaffung eines nachhaltigen und attraktiven Kakaosektors für die heutigen und zukünftigen Generationen, erklärt Geschäftsführerin Christine Müller. «Damit wollen wir auch einen Beitrag zu den Sustainable Development Goals, den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen, leisten.» 

Lesen Sie mehr zur Schweizer Kakaoplattform im Interview mit Christine Müller