PORTRAIT

Der Schweizer Schoggi-Detektiv

Sevan Nalbandian ist der Schweizer Schokolade-Detektiv. Bild: Chocosuisse
Sevan Nalbandian ist der Schweizer Schokolade-Detektiv. Bild: Chocosuisse

Schoggi-Verpackungen schaut er sich immer besonders genau an: Sevan Nalbandian, Vize-Direktor von Chocosuisse, ist zuständig für den Markenschutz. Er verfolgt die Fälle von missbräuchlicher Verwendung des «Swiss»-Begriffes oder dem Schweizer Kreuz.

 

Herr Nalbandian, Sie kümmern sich um den Markenschutz bei Chocosuisse. Warum ist das so wichtig?

Schweizer Schokolade ist die beste Schokolade der Welt. Die Konsumentinnen und Konsumenten sollen sicher sein können, dass Schokolade mit Schweizer Kreuz oder ähnlichen Hinweisen auf der Verpackung, auch wirklich aus der Schweiz stammt. Deshalb machen wir alles, damit dies heute und in Zukunft so bleibt.

Sie reisen jedes Jahr an die ISM, die Internationale Süsswaren-Messe. Was machen Sie dort?

Ich bin tatsächlich in der Rolle eines Detektivs unterwegs: Ich schaue mir die Produkte der Aussteller genau an und halte an den Ständen nach missbräuchlichen Produkte-Verpackungen oder Slogans Ausschau. Das kann den Begriff «Swiss», die Abbildung des Schweizer Kreuzes, des Matterhorns oder eines anderen typisch schweizerischen Symbols betreffen.

Was tun Sie, wenn Sie bei Ihrem Gang durch die Messe einen Verdachtsfall entdecken? Unauffällig Notizen machen, die «Sünder» in ein Gespräch verwickeln oder den ganzen Stand räumen lassen?

Eher das Erste als das Zweite: Ich schreibe mir den verdächtigen Hersteller und das Produkt möglichst detailliert auf. Wenn der Fall relativ klar ist, und ich einen Verstoss gegen den Markenschutz vermute, versuche ich ein Bild vom «Corpus Delicti» zu machen. Genauso wichtig ist dann aber auch eine saubere Abklärung im Büro, ob meine Vermutung auch wirklich stimmt. Direkte Standräumungen sind eher selten. Unser Ziel ist vor allem, dass gefälschte Produkte dauerhaft vom Markt verschwinden.

Was tun Sie, wenn Sie nicht an einer Messe Schokolade-Verpackungen prüfen?

Der Schutz der Schweizer Herkunftsbezeichnung besteht natürlich nicht nur aus Undercover-Messebesuchen. Wir gehen auch unter dem Jahr gegen Missbräuche vor. In unserer tagtäglichen Arbeit kontrollieren wir systematisch und weltweit Markenanmeldungen mit einem Bezug zur Schweiz bei Schokolade-Produkten. Wir greifen ein, erheben Widerspruch bei den zuständigen Behörden und kontrollieren nach, ob ein Entscheid auch sauber umgesetzt wird.

Nimmt die Anzahl der Fälle zu?

An der Messe hat die Anzahl Hersteller, die zu Unrecht auf die Schweiz hinweisen, in den letzten Jahren eher abgenommen. Im Allgemeinen ist die Anzahl Fälle aber konstant geblieben, wenn nicht sogar gestiegen. Unsere Bestrebungen an der Messe haben gefruchtet, und es hat sich herumgesprochen, dass wir Kontrollen durchführen. Wir haben aber auch ein gut funktionierendes Netzwerk, wir erhalten Hinweise, nicht zuletzt auch von unseren Partnerverbänden in Europa.

Wie viele Fälle von Markenklau bearbeiten Sie zurzeit?

Etwa 150 Fälle sind zurzeit hängig. Die Verfahren dauern zum Teil über Jahre, je nachdem wie rasch die Behörden arbeiten, und das gegnerische Unternehmen reagiert. Es gibt auch Firmen, die Ausflüchte erfinden, um nach einem Urteil nicht reagieren zu müssen.

Können Sie einen besonders dreisten Fall von Markenklau nennen?

Derzeit beschäftigt uns ein Fall in Russland besonders: Ein Schokolade-Hersteller verkauft in Russland hergestellte Schokoladen mit einer Vielzahl von Hinweisen auf die Schweiz auf der Verpackung. Besonders dreist ist der Fall deshalb, weil wirklich alles frei erfunden ist, es gibt nicht den geringsten Bezug zur Schweiz. Glücklicherweise hat aber eine russische Behörde zu unseren Gunsten entschieden und diese Produkte verboten. Einer der bedeutendsten Fälle der letzten Jahre war die vom britischen Süsswarenhersteller Cadbury in Grossbritannien hergestellte «Swiss Chalet»-Schokolade, auf deren Verpackung auch das Matterhorn abgebildet war. Chocosuisse klagte seinerzeit gegen Cadbury und erhielt von der britischen Justiz recht. Cadbury musste daraufhin die Produktion der «Swiss Chalet»-Schokolade einstellen.

Welches sind die schlimmsten Länder, wenn es um Markenklau geht?

Zuerst einmal: Es ist nicht vor allem China, wie von vielen Leuten immer wieder vermutet wird. Missbräuchliche Hinweise auf eine Schweizer Herkunft gibt es überall auf der Welt. Eine Häufung von Fällen stellen wir etwa im Südamerika, in Indien oder im südostasiatischen Raum fest.

Sieht aus wie ein Käse, soll aber "Schweizer" Schokolade sein: Die Verpackung der "Swiss Chalet"-Schokolade von Cadburry's. Das britische Unternehmen darf diese inzwischen nicht mehr herstellen. Bild: Chocosuisse
Sieht aus wie ein Käse, soll aber "Schweizer" Schokolade sein: Die Verpackung der "Swiss Chalet"-Schokolade von Cadburry's. Das britische Unternehmen darf diese inzwischen nicht mehr herstellen. Bild: Chocosuisse