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Die Rückkehr zu den Wurzeln der Schokolade

Die Rückkehr zu den Wurzeln der Schokolade
Sadé chocolat

Die gelernte Geografin Suzan Inan begeistert sich für die Beziehungen von Menschen zu bestimmten Orten und die Verbindung zur Kulinarik. Sie beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit Fragen bezüglich Migrationswegen und der Rolle von Nahrungsmitteln als Möglichkeit zur Gestaltung persönlicher Identität und kollektiver Zugehörigkeit. Diese Überlegungen leiten Suzan Inan und sie finden den Weg in ihre kleine Schokoladenwerkstatt in Veyrier. 

«Ich mache Schokolade, um darüber zu sprechen. Mein Ansatz ist unkonventionell und auch ein bisschen provokativ», erklärt Suzan Inan. Ihr Ziel ist es, Menschen dazu zu bringen, Geschmäcker, Gewohnheiten und kulinarische Traditionen zu hinterfragen und vor allem die Neugierde zu wecken. «Es gibt einen grossen Unterschied zwischen dem, was Schokolade ursprünglich war – ein koloniales Machtsymbol – und der Ungezwungenheit, mit der wir Schokolade heute geniessen», sagt Suzan Inan. «Die exotische, romantische und nostalgische Vorstellung, die wir von Schokolade haben, entsprechen so überhaupt nicht der wahren Geschichte und Herkunft der Schokolade», wie sie findet. 

Ursprüngliche Schokolade

«Die Schokolade galt als Speise der Götter und war nur einer Elite vorbehalten», weiss Suzan Inan.» Sie beschloss mit der ursprünglichen Verarbeitung von Schokolade zu experimentieren und die Identität der Schokolade neu zu entdecken. Auf der Suche nach der «wahren» Schokolade übernahm sie nach und nach die traditionellen Herstellungsverfahren von den Mayas und den Azteken. So entstand eine Schokolade in Kaltextraktion, also ohne Conchieren. Durch die kalte Verarbeitung behalten die Schokolade und der Zucker ihr körniges Aussehen und verleihen dem Endprodukt ein ganz eigener Geschmack.   

Schokolade und Tomaten

Schokolade und Tomaten sind in der mittelamerikanischen Küche häufig anzutreffen» sagt Suzan Inan. Doch scheinen sie auf den ersten Blick nichts gemeinsam zu haben. Weder geschmacklich noch historisch. Schokolade und Tomaten waren aber gleichermassen bedeutungsvoll hinsichtlich Hexerei und heidnischen Ritualen. So wurde das Rot der Tomate mit Blut assoziiert und die Schokolade galt als bevorzugtes Getränk der Azteken während der Darbringung von Menschenopfern. «Solche Zusammenhänge faszinieren mich», meint die studierte Geografin. In speziellen Verkostungen bietet sie Interessierten die Möglichkeit, Tomaten in Kombination mit Schokolade zu geniessen. Die Verkostungen sind für sie und die Teilnehmenden Momente des Nachdenkens. Sie ermöglichen, eine Vielfalt von Aromen der heutigen Zeit zu entdecken und gleichzeitig die historischen und kulturellen Dynamiken zu hinterfragen. «Die Geschichte bestimmt unsere Gewohnheiten und unser kulinarisches Erbe», ist sich Suzan Inan sicher.

Sadé chocolat
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