STANDPUNKT

Dr. Beat Vonlanthen

Dr. Beat Vonlanthen, Präsident Chocosuisse und Stiftungsrat der Schweizerischen Stiftung der Kakao- und Schokoladenwirtschaft
Dr. Beat Vonlanthen, Präsident Chocosuisse und Stiftungsrat der Schweizerischen Stiftung der Kakao- und Schokoladenwirtschaft

Die nachhaltige Beschaffung von Kakao ist ein Thema, dem die Unternehmen der Schweizer Schokoladeindustrie schon seit längerer Zeit besondere Beachtung schenken.

Bereits im Jahr 2010 verpflichtete CHOCOSUISSE alle seine Mitgliedunternehmen zur Unterzeichnung eines Branchenkodex zur nachhaltigen Kakaobeschaffung. Dieser Kodex enthält unter anderem die Pflicht, sich bei der Kakaobeschaffung am Grundsatz der Rückverfolgbarkeit zu orientieren und sich bei den Lieferanten periodisch zu vergewissern, dass die Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation zur Bekämpfung von Kinderarbeit eingehalten werden. Der Einsatz für korrekte Arbeitsbedingungen zieht sich in unserer Branche über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Deshalb liegt uns auch die Sozialpartnerschaft am Herzen, die wir seit rund 80 Jahren in unseren Schokoladefabriken hier in der Schweiz pflegen.

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit beschränkt sich für die Schweizer Schokoladeindustrie nicht nur auf den Rohstoff Kakao. So unterstützt CHOCOSUISSE – zusammen mit der Schweizerischen Stiftung der Kakao- und Schokoladewirtschaft, dem europäischen Süsswarenverband Caobisco und den lokalen Vertretern der Internationalen Arbeitsorganisation – bereits seit Jahren ein Projekt zur Verhinderung von Kinderarbeit bei der Haselnussernte in der Türkei. Dieses Projekt hat, in einem schwierigen Umfeld, inzwischen Modellcharakter erlangt. Auch die zahlreichen Projekte unserer Mitgliedunternehmen, welche die Qualität und die Produktivität im Kakaoanbau steigern und die sozialen Verhältnisse der Kakaobauern und deren Familien verbessern dürfen nicht unerwähnt bleiben. Stichworte dafür sind Schulung im Kakaoanbau, Schaffung von Infrastrukturen und Direktbezug bei Produzentenorganisationen. Auch auf internationaler Ebene engagieren sich zahlreiche Schweizer Unternehmen in firmenübergreifenden Initiativen und Projekten für Nachhaltigkeit im Kakaoanbau.

Gründung Kakaoplattform

Vor bald vier Jahren nahm CHOCOSUISSE mit der Bundesverwaltung und mit einer Nichtregierungsorganisation Kontakt auf mit der Idee, die Kräfte zu bündeln und eine gemeinsame Schweizer Plattform für nachhaltigen Kakao zu gründen. Seither wurden viele Ideen entwickelt, diskutiert, verworfen, wiederaufgenommen und schliesslich konkretisiert. Der Kreis der in die Gespräche involvierten Akteure wurde laufend erweitert – auf Stiftungen, Forschungsinstitute, Unternehmen und so weiter. In diesem iterativen Prozess brachten die verschiedenen Akteure unterschiedliche Anliegen ein, welche für sie jeweils besonders im Vordergrund stehen: Für die einen ist dies die Bekämpfung von Kinderarbeit, für die anderen der Schutz der Umwelt. Für Dritte wiederum steht die Verbesserung der Einkommen der Kakaobauern im Vordergrund. Auch auf Seiten der Bundesverwaltung wurden unterschiedliche Präferenzen der verschiedenen Departemente und Ämter sichtbar.

CHOCOSUISSE hat die Plattform von Anfang an als Beitrag der Schweiz an die Umsetzung der globalen Kakaoagenda der Internationalen Kakaoorganisation gesehen. Diese basiert auf dem Internationalen Kakao-Übereinkommen, welches die Schweizmitunterzeichnet hat. Darin haben sich die Vertragsstaaten darauf verständigt, dass die Nachhaltigkeit sowohl die soziale als auch die ökonomische und die ökologische Komponente umfasst. Von einer umfassenden Betrachtung gehen auch die nachhaltigen Entwicklungsziele der UNO aus. Die Schweiz wird gegenüber der UNO in regelmässigen Abständen über Fortschritte und Herausforderungen bei der Erreichung dieser Ziele Bericht erstatten. Die Schweizer Schokoladeindustrie unterstützt die Eidgenossenschaft gerne bei dieser Aufgabe.

Ambitiöse Ziele

Mit der Kakaoplattform stecken wir uns sehr ambitiöse Ziele. Diese gehen viel weiter als beispielsweise die Ziele des Kakaoforums in Deutschland. Dort bezieht sich die Zielerreichung nur auf die im Heimmarkt verkauften Kakaoprodukte. Bei uns umfasst die Zielvorgabe auch die exportierte Schokolade. Wenn Sie sich vor Augen führen, dass zwei von drei Schweizer Schokoladen im Ausland verkauft werden, erahnen sie die Dimension dieser Zielsetzung. Dies gilt umso mehr, als die Zahlungsbereitschaft und die Sensibilität der Konsumentinnen und Konsumenten für Nachhaltigkeit nicht überall die gleiche ist wie hier in der Schweiz.

Die Konsumentinnen und Konsumenten im In- und Ausland nehmen eine wichtige Rolle ein. Mit ihrem Kaufverhalten nehmen sie Einfluss auf die Erreichung unserer ambitiösen Ziele.